Erneuerbare Energie Nachrichten

„Wer so argumentiert, sagt die Unwahrheit“: Fraunhofer ISE kritisiert die Argumentation gegen die Erneuerbaren

Der Strompreis steigt seit einigen Jahren. Teils so dramatisch, dass vor allem Geringverdiener und Sozialhilfeempfänger ihre Stromrechnungen kaum noch zahlen können. Die Politik sah daher enormen Handlungsbedarf und analysierte die Energiewirtschaft nach einem Verursacher für den Preisanstieg. Dieser ist mittlerweile gefunden, die erneuerbaren Energien und deren zu rascher Ausbau sind schuld am Preisanstieg. Teilt man diese Argumentationslinie, so ist die kommende EEG-Novelle nur konsequent und ihre geplanten Inhalte vielfach richtig. Doch ist es wirklich so einfach? Ist ausschließlich der Ausbau erneuerbarer Energieträger, vor allem von Wind- und Solarenergie, der Kostentreiber? Experten des renommierten Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) kritisieren diese Verunglimpfung des Erneuerbaren-Ausbaus.

ISE-Direktor Eicke Weber kommentierte die Argumentation in der Badischen Zeitung

Vor allem bezüglich der geplanten Neureglungen im Bereich des Solarstroms kritisiert das Fraunhofer ISE, vertreten durch Institutsdirektor Eicke Weber, die Argumentation gegen eine weitere Förderung und für die teilweise Belastung des Eigenverbrauchs. „Warum wuchs denn die Umlage für den erneuerbar hergestellten Strom so rasch, von 1,3 Cent pro Kilowattstunde 2009 auf heute über sechs Cent? Wegen des unerwartet raschen Zubaus von Photovoltaik- und Windanlagen? Wer so argumentiert, sagt die Unwahrheit. Interessant ist die Frage, wer ganz bewusst diese Unwahrheit in die politische Diskussion bringt.“, so Weber in einem Kommentar in der Badischen Zeitung. Sein Kommentar begründet Weber mit einer Studie des Fraunhofer ISE zu den Kostentreibern der EEG-Umlage, welche besonders für den Strompreisanstieg der letzten Jahre sorgte. Das Ergebnis ist, dass nicht der Ausbau zum Anstieg führte sondern eine veränderte Berechnungsgrundlage.

Weber fordert das man die Sonnenenergie weiterhin unterstützt

Dazu Weber: „Die Zahlen sind eindeutig: Von 2000 bis 2009 stieg die EEG-Umlage wie erwartet gleichmäßig mit den Auszahlungen an die Erzeuger von Sonne-, Wind- und Biostrom. 2009 betrug die Umlage 1,3 Cent pro Kilowattstunde und es wurden über zehn Milliarden Euro ausgeschüttet. In der Debatte um die EEG-Novelle 2009/2010 wurde viel über Einspeisetarife gestritten. Dabei fiel wenig auf, dass zugleich die Regeln der Berechnung der Umlage fundamental geändert wurden.“, zudem meint der ISE Direktor: „Von 2009 bis heute stieg die Einspeisung erneuerbaren Stroms in der Tat weiterhin rasant, aber wegen der drastisch abgesenkten Einspeisetarife stiegen die Auszahlungen an die Besitzer von Sonnen- und Windanlagen nur langsam, sie verdoppelten sich auf etwa 20 Milliarden Euro. Eine große Zahl, zugegeben, aber nach Adam Riese würde man erwarten, dass sich die EEG-Umlage, aus der diese Auszahlungen ja finanziert werden, in dieser Zeit auch verdoppelte, auf etwa 2,6 Cent je Kilowattstunde. Weit gefehlt: Die Verdoppelung der Auszahlung führte zu einer fünffach höheren Umlage, den heutigen 6,24 Cent je Kilowattstunde!“. Abschließend fordert der Wissenschaftler, dass entsprechend der verzerrten Argumentation, die insbesondere gern in der Politik angewandt wird, Skepsis erforderlich ist. Mit dem Ausbau der Solarenergie habe man laut Weber für einen weltweiten Boom gesorgt und die Kosten der Technologie maßgeblich senken können. Die richtige Argumentation wäre es daher, diesen Weg weiterhin konsequent zu verfolgen und die Chancen auf einem wachsenden Markt, wie dem der Sonnenenergie, zu nutzen.

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Autor: Daniel Reissmann am 18. Jun 2014 16:04, Rubrik: Aktuelle News, Energiewende, Solarenergie,
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