Erneuerbare Energie Nachrichten

Wasserkraft in Deutschland – das fünfte Rad am Wagen

Spricht man in Deutschland von der Energiewende oder den erneuerbaren Energien im Allgemeinen, liegt der Fokus oft auf Solar- und Windenergie, teils auch auf der Bioenergie. Selten wird die Wasserkraft thematisiert, obwohl auch sie eine erneuerbare Energiequelle ist. Die Nutzung der Energie des Wassers durch den Menschen hat eine lange Tradition. Schon im Mittelalter nutzten Müller die Wasserkraft um große Mühlen anzutreiben, die dadurch Getreide gemahlen haben. Auch die Windkraft wurde durch Windmühlen derartig genutzt, wobei sich Wasser- und Windkraftnutzung damals die Waage hielten. Heute sieht die Relation in Deutschland anders aus. Während Windkraft etwa 8 Prozent zur Bruttostromerzeugung beisteuert, sind es bei der Wasserkraft gerade einmal rund 3 Prozent. Doch weshalb ist das so, ist die Wasserkraft möglicherweise ein unterschätzter Riese?

Verschiedene Nutzung der Wasserkraft möglich

Anders als in den früheren Zeiten wird die Wasserkraft heute hauptsächlich zur Stromerzeugung genutzt und nicht zur direkten mechanischen Nutzung. Geläufig sind insbesondere Laufwasserkraftwerke, welche die Fließgeschwindigkeit von Flüssen und Bächen, also die kinetische Energie, in Strom umwandeln sowie Speicherwasserkraftwerke, welche Höhenunterschiede, dass heißt die Fallgeschwindigkeit beziehungsweise die potentielle Energie des Wassers, nutzbar machen. Die topografischen Gegebenheiten Deutschlands ermöglichen allerdings nur eine sehr begrenzte Nutzung von Speicherwasserkraftwerken, weshalb Laufwasserkraftwerke häufiger vorkommen. Eine Sonderform der Speicherwasserkraftwerke sind sogenannte Pumpspeicherkraftwerke, bei denen das Wasser zuerst in ein höher gelegenes Plateau gepumpt wird, um es anschließend wieder in Strom umzuwandeln. Diese Art des Kraftwerks dient allerdings nicht der originären Energieerzeugung, sondern der Zwischenspeicherung überschüssigen Stroms.

Wenig Relevanz für die Energiewende

Für die Energiewende hat die Wasserkraft nur eine geringe Relevanz. So kam beispielsweise eine Studie des Umweltministeriums zu dem Schluss, dass das technisch – ökologische Potential der Wasserkraft bereits heute weitgehend ausgeschöpft ist. Nur durch die Modernisierung und Erweiterung der bereits bestehenden Anlagen lassen sich noch weitere Potentiale erschließen. Auch die Studie „Energieziel 2050“ des Umweltbundesamtes zeigt, dass sowohl die konservativen als auch die progressiven Szenarien für das Erreichen der hundertprozentigen Regenerativwirtschaft der Wasserkraft eine geringe Wichtigkeit zusprechen. Zudem betrachten vor allem Umwelt- und Naturschutzverbände einen Ausbau der Wasserkraft als äußerst kritisch. Dieser beeinträchtigt die aquatischen Ökosysteme erheblich, beispielsweise durch eine Unterbrechung der Durchgängigkeit von Fließgewässern, die direkte Schädigung von Organismen durch die Turbinenanlage und die Veränderung von Lebensräumen unterhalb von Stauwerken. Dementsprechend wird die Wasserkraft auch künftig nur eine untergeordnete Rolle für die regenerative Energiewirtschaft einnehmen. Vor allem im Bereich der Speichertechnologien sind die Pumpspeicherkraftwerke allerdings ein wichtiges Instrument und werden es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch künftig noch bleiben.

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Autor: Daniel Reissmann am 30. Dez 2014 15:05, Rubrik: Allgemein, Umwelt, Wasserkraft,
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