Erneuerbare Energie Nachrichten

Warum eigentlich nicht Erdwärme?

Wenn Skeptiker von der Energiewende reden, dann wird gern ein Argument ins Spiel gebracht. Die erneuerbaren Energien wären zu einem Großteil nicht grundlastfähig, vor allem Wind- und Solarenergie sind wesentlich vom Wetter abhängig und daher stark fluktuierend. Das stimmt, trifft allerdings nicht für alle regenerativen Ressourcen zu. Insbesondere eine erneuerbare Energieform wird in Deutschland bisher kaum wahrgenommen, die Geothermie beziehungsweise Erdwärme. Nun will der italienische Energieversorger Enel nahe München das größte Erdwärmekraftwerk Deutschlands errichten.

Deutschland hängt zurück

Enel betreibt in Italien 37 Geothermie Kraftwerke und das mit Erfolg. Etwa ein Drittel der gesamten Toskana versorgt das Unternehmen bereits mit Strom. Da man in Deutschland bisher selbst noch nicht wirklich aktiv geworden ist, sieht Enel nun die Chance auch hierzulande mittels Geothermie Strom und Wärme zu erzeugen und zu verkaufen. Enel ist bislang fast allein auf dem deutschen Markt, denn im Gegensatz zu Wind- und Solarenergie macht die Erdwärme gerade einmal 0,02 Prozent des bundesdeutschen Energiemix aus. Gerade die geothermische Stromerzeugung steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen. Abgesehen vom in Potsdam ansässigen Deutschen GeoForschungsZentrum gibt es kaum ernsthafte Bemühungen die Geothermie stärker für die Stromerzeugung zu nutzen. Der Hauptgrund ist die bislang noch fehlende Wirtschaftlichkeit, die die Stromerzeugung aus Erdwärme für viele Investoren unattraktiv macht.

Geothermie soll wichtiger werden

Um die Erdwärmenutzung dennoch zu forcieren fördert das Bundesumweltministerium (BMU) eine Vielzahl an Projekten, die vor allem die Effizienz der Tiefengeothermie steigern sollen. Heute erzeugen neun Kraftwerke bundesweit Strom aus Erdwärme, zukünftig soll eine Vielzahl an Anlagen hinzukommen, so will es zumindest das BMU. Das Projekt der Italiener ist eines dieser neuen Anlagen, die sich das BMU wünscht. Und nicht nur das, mit einer Leistung von 26 Megawatt würde die neue Anlage die bisher in Deutschland installierte Geothermie-Stromkapazität nahezu verdoppeln. Dennoch wird die Anlage wohl nicht in den nächsten Monaten entstehen, da die Genehmigungsverfahren für derartige Objekte langwierig sind und eine Menge Geld kosten. Hier liegt auch einer der Gründe, warum viele potentielle Investoren vor der Geothermie zurückschrecken. Die Vorlaufphasen sind ein Minusgeschäft und nur mit einem starken finanziellen Background zu meistern.

Oberflächennahe Nutzung weitaus verbreiteter

Für die Tiefengeothermie, also die Stromerzeugung aus Erdwärme, kommen in Deutschland vor allem drei große Gebiete in Frage. Das Norddeutsche Becken, der Oberrheingraben und das Molassebecken rund um München. Während die Stromerzeugung aus Erdwärme in Deutschland wenig verbreitet ist, ist die oberflächennahe Nutzung, insbesondere durch Wärmepumpen, bereits Status Quo bei vielen Haushalten. Allein im Jahr 2010 wurden 51.000 neue Anlagen zur Nutzung von Oberflächengeothermie installiert. Der große Vorteil der Geothermie ist, wie bereits eingangs erwähnt, die Grundlastfähigkeit. Doch neben den finanziellen Nachteilen gibt es auch andere Probleme. So wird vermutet, dass Bohrungen oder zu hohe Wasserdrücke das Erbebenrisiko erhöhen können. Untersuchungen des Bundesamtes für Geowissenschaften und Rohstoffe konnten dies zwar nicht bestätigen, dennoch gibt es oft Sorgen innerhalb der um eine Anlage ansässigen Bevölkerung. Ein positives Argument ist für viele Investoren allerdings sehr verlockend und hat wohl auch die Italiener gefreut. Geothermie wird mit 25,2 Cent pro Kilowattstunde und 20 Jahre Fixvergütung am höchsten durch das EEG gefördert. Ein eindeutiges Zeichen, dass diese Energieform in Zukunft wohl an Wichtigkeit gewinnen wird.

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Autor: Daniel Reissmann am 25. Jan 2016 19:27, Rubrik: Allgemein, Geothermie,
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