Geoengineering, Teil Eins: Global Dimming: Schwefelsäure im Dienste der Klimaziele?
Liebe Leser,
in den nächsten Tagen wird euch der Energie Blog eine Reihe von Möglichkeiten vorstellen, wie die globale Erwärmung gebremst werden könnte. Die Maßnahmen rangieren unter dem Begriff Geoengineering, also der gezielten Einflussnahme des Menschen auf die chemischen oder biochemischen Abläufe in der Natur.
Teil 1: Schwefeldioxid in der Stratosphäre
Ende April diesen Jahres erschienen im Wissenschaftsmagazin „Nature“ zwei Artikel, die sich warnend an die Leserschaft wandte: So wurde weltweit ein weitaus höherer Anstieg des Kohlendioxids gemessen, als im worst case scenario des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Vereinten Nationen von 2007 noch prognostiziert worden war.
Die deutschen und britischen Forscher forderten in ihren Publikationen deutlich mehr Anstrengungen für die sukzessive Verringerung der globalen CO2-Emissionen bei Staaten und Unternehmen. Doch es melden sich auch weitere Stimmen zu Wort, die für akute Lösungsansätze werben.
Geoengineering: Global Dimming als Chance?
Dem Amerikaner Paul J. Crutzen wurde bereits 1995 der Nobelpreis für Chemie verliehen, da er seinem Kollegen Tom Wigley zufolge das wohl billigste und erfolgversprechendste Verfahren entwickelt hatte, um dem Treibhauseffekt schnell entgegenwirken zu können. Denn die Eindämmung der globalen Emissionen schreitet zu langsam voran und auch andere Ansätze, etwa die Düngung der Weltmeere mit Eisensulfat zur gezielten Züchtung von CO2-speicherndem Plankton, sind oft ineffizient, zu kurzlebig und teuer.
So sollen laut Crutzens Modell Ballons in etwa 10 km Höhe aufsteigen und dort das geladene Schwefeldioxid (SO2) in die Stratosphäre freigeben. Würde man ein Prozent des Himmels auf diese Weise gezielt dimmen, könnten angeblich rund 2 Grad Abkühlung erreicht werden. Die Idee ist übrigens eine westliche Adaption an Forschungen des russischen Physikers Mikhail Budyko: Dieser riet in einer Arbeit bereits 1974 zum Einsatz von Chemtrails, also dem Versprühen von beispielsweise SO2 aus einem Flugzeug. Als besonders stark schwefelhaltiger Treibstoff verbrannt, würden die Aerosole breitflächig und gleichmäßig verteilt. Möglich wäre auch die Impfung der Stratosphäre mit ziviler Kanonade von See.
Lösungsansatz SO2
Die Theorie ist denkbar einfach: Unter Reaktion mit natürlicher Luftfeuchtigkeit entsteht direkt in der Atmosphäre Schwefelsäure (H2SO4), ein ca. 1 µm großes Molekül, das zudem durch eine hohe Oberflächenspannung und Reaktionsfreudigkeit freischwebende Kleinstpartikel (Aerosole) und Feinstaub bindet. Die Moleküle reflektieren die Sonneneinstrahlung entsprechend besser als die durchlässigen natürlichen Wolkengebilde, die globale Durchschnittstemperatur könnte so vermutlich gesenkt werden. Man spricht dabei von einem indirekten Aerosoleffekt: Das künstlich zugeführte H2SO2 verhält sich wie natürliche Gefrierkeime. In der Atmosphäre enthaltener Wasserdampf kann also leichter an den Molekülen kondensieren, die gelbe Schwefelsäure bildet künstliche Wolken und hellt gleichzeitig natürliche Wolken auf.
Vulkanausbruch als Vorbild
Das Verfahren stützt sich auf Messungen und Beobachtungen in Folge der Eruption des Pinatubo auf den Phillipinen: Der Ausbruch des Vulkans im Jahr 1991 schleuderte geschätzte 20 Millionen Tonnen Schwefeldioxid in die Stratosphäre, woraufhin die Temperatur in der Region um etwa ein halbes Grad sank, der Effekt hielt etwa ein Jahr lang an.
Kritik am Verfahren
Gegner des Verfahrens warnen, dass der Mensch die Zusammenhänge des Wetters nicht einmal ansatzweise verstanden hat; eine Veränderung der sensibel aufeinander abgestimmten Faktoren könnte unvorhersehbare Veränderungen regionaler Wind- und Niederschlagsmuster mit sich führen – Beispiel China im Februar 2009. Eine geringere Sonneneinstrahlung würde eine geringere Verdunstung der Weltmeere bedeuten, was vermutlich einen Rückgang der weltweiten Niederschlagsmenge zur Folge hätte.
Doch einer der wohl größten Kritikpunkte ist, dass die Ausstreuung von Schwefeldioxid in die Atmosphäre eine deutliche Zunahme des sauren Regens mit sich führen würde – schließlich kommt die Säure irgendwann auch mal wieder herunter.
Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass allein durch die Industrie weltweit etwa 55 Millionen Tonnen Schwefeldioxid emittiert werden – ob dies jedoch den Treibhauseffekt positiv beeinflusst, muss stark angezweifelt werden. Der messbare Effekt ist vielmehr ein anderer: Denn dank der industriellen Luftverschmutzung sterben der WHO zufolge weltweit jährlich etwa 500 000 Menschen an Atemwegserkrankungen, wie etwa Lungenkrebs.
Ein derartiger Eingriff in die Stratosphäre könnte den Rückgang der lebenswichtigen Ozon-Schicht beschleunigen und wäre zudem so günstig und einfach, dass Staaten unabhängig von internationalen Absprachen schnell ein paar Tonnen Schwefeldioxid in die Atmosphäre pumpen könnten – und vermutlich auch würden: China, die USA und auch Deutschland tun dies bereits heute regelmäßig.
Ein anderes Problem ist der kurzlebige Effekt: Denn diese Maßnahme müsste ständig wiederholt werden, um die künstliche Schwefelschicht aufrecht zu erhalten. Wird die Impfung der Atmosphäre unterbrochen, hätte dies eben jenen Temperaturanstieg zur Folge, der verhindert werden sollte.
Der Effekt ist zu vergleichen mit jemandem, der große Mengen an Traubenzucker auf leeren Magen zu sich nimmt: Nach einem kurzen positiven Effekt folgt der Absturz prompt.
Kommentar: Kritik am IPCC
Das IPCC tritt seit einigen Jahren als der Godfather des globalen Klimas auf. Dabei gibt es wesentliche Kritik an den Statistiken und Daten, die das Institut mit Sitz in Genf veröffentlicht.
Verfälschte Daten
Schaut man sich einmal Karten der weltweit erfassten Wetterstationen an, so fällt rasch auf, dass die Ballungsgebiete in urbanen Gebieten liegen – unerschlossenes Gebiet wird kaum abgedeckt. Das liegt vor allem daran, dass die Messstationen die Daten übermitteln müssen – also Zugang zu entsprechender Infrastruktur für Strom und Telekommunikation erfordern – und regelmäßig gewartet werden müssen.
Dies führt logischerweise zu einer verfälschten Datenbasis: Selbstverständlich sind die Werte über die Luftbelastung, insbesondere die CO2-Konzentration, Temperatur und Humidität in bewohnten Gebieten völlig anders als etwa in Wüsten oder Wäldern.
Die Erde atmet
Die natürlichen CO2-Kreisläufe werden in den Horrorszenarien nicht behandelt – weil sie schlicht und ergreifend nicht zu erfassen sind. Nur eines ist sicher: die Mengen an Kohlendioxid im natürlichen Atemrhythmus der Erde sind gigantisch; wie weitreichend der Einfluss des Menschen auf den Biorhythmus ist, kann daher niemand tatsächlich berechnen – nicht einmal annähernd.
Theorie vs. Praxis
Ein weiteres Problem stellt die Praxis der Wissenschaft dar, Ceteris-Paribus-Situationen zu erforschen. Die Methode, sich auf nur einen Faktor zu konzentrieren und alle anderen relevanten Faktoren als konstant dahinzustellen, mag hilfreich sein, um ein komplexes Konzept theoretisch zu begreifen.
Mir wurde jedoch bereits in der Grundschule erklärt, dass Theorie und Praxis oftmals weit auseinander gehen und in der Realität nicht jede schöne Idee auch tatsächlich umsetzbar ist.
Darüber hinaus gibt es eine Reihe plausibler Argumente von Wissenschaftlern die anderer Meinung sind als die offizielle Al Gore-Predigt: Die Tatsache, dass diese BBC-Dokumentation auf RTL ausgestrahlt wurde, sagt übrigens wenig über die Qualität und recherchierbaren Quellen des Films aus. Es wundert mich vielmehr, dass die renommierten Medien von ARD bis Süddeutsche Zeitung die kritischen Stimmen in einer angeblich seriösen öffentlichen Debatte wenig bis gar nicht zu Wort kommen lassen.
Mein Filmtipp: Der Klimaschwindel
Ich hoffe Ihnen hat der Artikel gefallen, zum weiterlesen empfehle ich Ihnen das Thema Photovoltaik Förderung.
Quellen:
Spektrum der Wissenschaft, Dossier 1/10: Erde 3.0 (2010), S. 38-47
http://cordis.europa.eu/fetch?CALLER=NEWSLINK_DE_C&RCN=30749&ACTION=D
Informationen über Chemtrails:
http://www.carnicom.com/
http://www.chemtrail.de
Informationen zu Wetterstationen
http://www.wetterstationen-online.de/
http://www.surfacestations.org/
Autor: Timo Essner am 12. Mrz 2010 15:53, Rubrik: Geoengineering, Sonstiges,
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[...] – beschäftigt sich mit einem Verfahren, das der Wolkenimpfung mit Schwefeldioxid (siehe Teil 1: Global Dimming) prinzipiell nicht unähnlich ist, sich im Lösungsansatz allerdings weitaus umweltgerechter [...]
[...] als bei der Erzeugung künstlicher Wolken aus Schwefelsäure (siehe Teil 1: Global Dimming) oder Meerwasser (siehe Teil 2: Nebel in der Troposphäre), wird der Eingriff in die natürlichen [...]
[...] Tonnen weltweit in die Atemluft freigesetzt werden, um das Wetter zu beeinflussen (siehe Teil 1: Global Dimming) – vor allem da der Erfolgsquotient relativ gering und die Gefahren unberechenbar [...]
In der BRD werden die Abgase aller Kohlekrafrwerke entschwefelt (Großfeuerungsanlagenverordnung). Bei dem üblichen Nassverfahren wird zwar SO2 gebunden, aber die äquivalente Menge CO2 freigesetzt. (Treibhausgas)
Es sollte überlegt werden, die Entschwefelung teilweise aufzuheben. Ich vermute, dass die Starkregenfälle der letzten Zeit bei einem höheren Aerosolgehalt an SO2 nicht aufgetreten wären, weil dann die Wolkenbildung früher eingetreten wäre.