Geoengineering, Teil Drei: Sonnenschild im All
Liebe Leser des Energie Blogs,
im dritten Teil unserer Reihe Geoengineering stellen wir ein weiteres Verfahren vor, mit dem ein gewisser J. Roger P. Angel von der University of Arizona die Sonneneinstrahlung auf die Erde regulieren möchte, um die globale Erwärmung einzudämmen.
Anders als bei der Erzeugung künstlicher Wolken aus Schwefelsäure (siehe Teil 1: Global Dimming) oder Meerwasser (siehe Teil 2: Nebel in der Troposphäre), wird der Eingriff in die natürlichen Abläufe in diesem Fall aus der Biosphäre des Planeten heraus und ins All getragen:
Teil 3: Sonnenschild im All
Rund anderthalb Millionen Kilometer von der Erde entfernt, auf gutem Wege Richtung Sonne, heben sich die Anziehungskräfte von Erde und Sonne gegenseitig auf. Dieses Phänomen wird unter anderem durch die ständige Bewegung der Erde, sowie die Anziehungskräfte anderer Himmelskörper auf den blauen Planeten bewirkt und verhindert, dass die Erde in die Sonne stürzt und unser Sonnensystem auch ansonsten stabil bleibt.
Dieser Punkt wird als Librations-Punkt oder auch innerer Lagrange-Punkt (L1) bezeichnet, benannt nach dem italienischen Mathematiker und Astronom Joseph-Louis de Lagrange.
Angel’s Dust: Extraterrestrische fliegende Scheiben
Hier soll ein satellitengesteuerter Sonnenschild entstehen, bestehend aus Billionen etwa 60 Zentimeter großen Scheiben aus semipermeablen Siliziumnitrid.
Die feinporige Oberfläche der Scheiben ist so beschaffen, dass die durchdringende Strahlung sich in einer sogenannten destruktiven Interferenz teilweise selbst zerstört. Auf diese Weise soll die Sonneneinstrahlung auf natürliche Weise reduziert werden.
Dreißig Jahre Kanonenfeuer
Die Sache hat allerdings zwei Haken. Erstens erfordert ein entsprechendes Sonnenschild eine ausreichende Größe mit einer gewissen Dichte. Für ein Sonnenschild von rund 100 000 Kilometern Länge und 13 000 Kilometern Durchmesser ist eine Anzahl von rund einer Billion Siliziumnitrit-Scheiben erforderlich. Mittels einer speziellen elektromagnetischen Kanone könnten jeweils eine Million Scheiben, jede mit einem Navigationssystem und eigenem Antrieb versehen, ins All geschossen werden. Dort sollen die Scheiben per Satellit gesteuert und entsprechend angeordnet werden. Dafür müssten die Pakete allerdings rund dreißig Jahre lang im Minutentakt ins All geschossen werden – als kurzfristige Lösung ist diese Technik also eher ungeeignet.
Zweitens sind die Kosten mit kumuliert rund fünf Billionen Dollar schlichtweg unangemessen hoch und es werden gigantische Mengen an Resourcen benötigt: So müsste die Menscheit etwa zwanzig Millionen Tonnen des Planeten in den Orbit schießen. Es ist daher fraglich, ob Angel die Theorie ernsthaft umsetzen will oder es sich einfach nur um einen netten Gag des Amerikaners handelt.
Pro und Contra des Geoengineering
Der an anderer Stelle (siehe Teil 1: Global Dimming) bereits erwähnte Forscher Tom Wigley sieht die Verfahren des Geoengineering trotz einiger Kritik etwa an Angels Verfahren generell als realistische Möglichkeiten, während der Übergangsphase zu einer kohlenstoffneutralen Energiegewinnung Zeit zu gewinnen.
Andere jedoch, wie etwa der Geophysiker Raymond T. Pierrehumbert, ebenfalls Mitglied des Intergovernmental Panel on Climate Change, sehen jedoch die Gefahr, dass Geoengineering den Druck auf die Politik vermindern könnte, langfristige Maßnahmen umzusetzen.
Wenn Sie sich für das Thema Sonnenenergie interessieren, dann finden Sie in der Kategorieübersicht unter “Solarenenergie” weitere Information, z.B. auch zur aktuellen Höhe der Einspeisevergütung.
Quellen:
Spektrum der Wissenschaft, Dossier 1/10: Erde 3.0 (2010), S. 38-47
Homepage von Raymond T. Pierrehumbert
http://geosci.uchicago.edu/~rtp1/
Autor: Timo Essner am 21. Mrz 2010 04:00, Rubrik: Geoengineering,
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