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CO2-Speicher Seestern: Stachelhäuter in Gefahr

Die Meeresforschung ist eine relativ junge Wissenschaft, schließlich wurde das Meer erst durch Jacques-Yves Cousteaus Arbeit in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts als Ökosystem anerkannt und erforscht.

So häufen sich in den letzten Jahren die erstaunlichsten Forschungsergebnisse aus den Weltmeeren und liefern etwa Antworten auf bislang ungeklärte Fragen über die Funktionen des Weltklimas.

Das Leibniz-Institut für Meereswissenschaft in Kiel spielt dabei eine wichtige Rolle: Von hier aus starten zahlreiche Expeditionen in die Ost- und Nordsee ebenso wie in das nördliche Polargebiet, hier werden die Ergebnisse ausgewertet und neueste Forschungen betrieben.

Seesterne retten die Welt
Nun haben die Kieler Wissenschaftler Hinweise darauf gefunden, dass eine unscheinbare Tiergruppe möglicherweise eine bedeutende Rolle für den Klimawandel spielt: Seesterne, Seeigel, Schlangensterne, Seegurken und Seelilien gehören zur Gruppe der Echinodermata oder Stachelhäuter und sind insgesamt offenbar ein treibender Motor für den CO2-Zyklus der Erde.

Diese Tiere bilden ihre Schutzhüllen aus Kalk, wobei sie eine große Menge Kohlendioxid aus dem Meer verbrauchen und in ihren Skeletten ablagern. Wenn sie sterben, sinkt das im Kalk gebundene CO2 auf den Meeresboden und wird dort abgelagert. Die Wissenschaftler vermuten, dass diese Tiergruppe jährlich rund eine Milliarde Tonnen Kohlenstoff verarbeitet und damit einen bislang unbekannten, aber essentiellen Beitrag für die reibungslose Funktion des globalen Kohlenstoffkreislaufs leistet.

Besonders Seesterne waren im Fokus der Wissenschaftler, da diese in beinah allen Klimazonen zu finden sind und daher vermutlich die größte Rolle spielen. Die Ergebnisse über ihre Erkenntnisse zum Einfluss der Stachelhäuter auf das marine Ökosystem haben die Forscher des IFM-GEOMAR aus Kiel in einer Studie in der Fachzeitschrift „Ecology Monographs“ veröffentlicht.

Gefahr für den Seestern
Nun schlagen die Forscher gleichzeitig mit der Entdeckung aber Alarm. Denn die zunehmende Ozeanversauerung durch beispielsweise Verklappung von Giftmüll oder mit Düngemitteln oder chemischen Abwässern verseuchte Zuläufe gefährdet die Echinodermata.

Bei der Kalkbildung nehmen die Tiere Kalzium und Magnesium in unterschiedlichen Mengenverhältnissen auf und verbrauchen dabei eine signifikante Menge anorganisches CO2, das im natürlichen CO2-Kreislauf vom Meer aus der Atmosphäre gefiltert wird. Sterben die Tiere, sinkt der Kohlenstoff mit dem Skelett auf den Meeresboden und wird nicht, wie etwa bei Plankton oder Algen, in der Wassersäule remineralisiert. Als Wassersäule wird der Bereich in Gewässern bezeichnet, in dem Temperatur, Licht und Sauerstoffkonzentration optimal und lebensfreundlich sind: Hier spielt sich das Leben im Meer ab, werden Mineralstoffe zersetzt und wieder aufgenommen sowie Fotosynthese betrieben.

Weitere Forschungen nötig
Die Wissenschaftler des IFM-GEOMAR fordern nun weitere, intensive Forschungen zu der Bedeutung der Echinodermata für den Kohlenstoffzyklus der Erde und das globale Klima. Dabei gilt es insbesondere die Frage zu klären, in welchem Ausmaß die Verschmutzung der Weltmeere eine Auswirkung auf diese Tiere hat und in Zukunft gezielter eingedämmt werden könnte.

Quellen:
Artikel auf Scinexx: „Seesterne: Klimaretter oder Klimaopfer?“
http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-11080-2010-01-14.html

Beitrag der Sendereihe „Wissenschaft und Technik“ von Deutschlandradio Kultur
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/wissenschaft/1142571/

Artikel bei Glocalist: „Der Seestern als Klimaretter?“
http://www.glocalist.com/news/kategorie/oekologie/titel/der-seestern-als-klimaretter/

Abstract: “Impact of near-future ocean acidification on echinoderms”
http://www.springerlink.com/content/2052510111052808/

Bilder von N3PO

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